Forschungsreisender, Botaniker und Arzt
Geboren 1761 in Kreibitz als Sohn eines Kantors und Stadtrichters wächst Thaddäus Haenke in einer kleinbürgerlichen Familie auf. 1772 geht der begabte Junge nach Prag, wo dem Stipendiat des St. Wenzel Seminars zunächst im altstädtischen Jesuitenkollegium (Klementinum) Unterricht erteilt wird. 1780 beginnt er sein Hochschulstudium mit zweijährigem Kurs in Philosophie, welches er mit Ernennung zum Magister der Physik und Mathematik abschließt. Ab 1782 studiert er Medizin und Botanik. 1786 wird er von der königlich-böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften zu einer botanischen Expedition ins Riesengebirge geschickt und im gleichen Jahr entschließt er sich zur Vertiefung des Medizinstudiums und der botanischen Kenntnisse an der Universität Wien.
1789 erhielt Haenke eine Einladung zur Forschungsexpedition des spanischen Gelehrten Malaspina, woraus eine vier Jahre andauernde Weltreise wurde. Es begann in Cadix, von wo die Reise in Richtung Montevideo ging, doch in der Mündung des La Plata Flusses strandete das Segelschiff an einem Riff. Haenke erreichte nur mit Mühe das Land und verlor sein gesamtes Gepäck. Er reiste weiter über die Anden nach Lima und sammelte auf dieser Reise 1400 Pflanzen. Im April 1790 traff er in Santiago auf Malaspina und setzte mit ihm seine Forschungsreise fort. Entlang der Westküste Amerikas segeln sie über Quito, Panama, Acapulco, Monterey nach den Montagueinseln im äußersten Norden Nordamerikas. Von dort wieder zurück bis Mexiko folgt die Durchquerung des Pazifischen Ozeans und eine Zwischenlandung auf den Philippinen. Von Manila geht die Reise weiter über Sydney zu den Vavao Inseln und 1793 endet die Expedition wieder in Süd-Amerika. Eine erneute Erkundungsreise zu Fuß quer durch den Kontinent folgt und Haenke entdeckt dabei die größte Wasserpflanze der Welt, die Victoria regia. Er lässt sich danach in Cochabamba/Bolivien nieder, wo er den Eingeborenen ein großes Interesse entgegen bringt und sich in der Freizeit seiner Leidenschaft, der Musik, widmet. In den letzten Jahren seines Lebens zeichnet sich er besonders als Arzt aus und setzt bei der Regierung wichtige Verbesserungen im Gesundheitswesen durch. Indem er die einheimische Bevölkerung mit eigens hergestellten Präparaten gegen Pocken impft und von Krankheiten heilt, genießt der rastlos arbeitende Medikus ein hohes Ansehen. Haenke war aber auch ein ausgezeichneter Chemiker, was zu seinen Erfindungen in der fabrikmäßigen Verarbeitung von Salpeter und zu Einführung neuer Arzneimittel führt. 1816 stirbt der vielseitige, uneigennützige und geniale Forscher unter bis heute ungeklärten Umständen.
Die Verdienste des Thaddäus Haenke um die Menschheit und für den Fortschritt blieben in der alten Welt lange unbeachtet. Seine nach Europa gesandten Schriften, Pflanzen- und Mineraliensammlungen sind teilweise verlorengegangen, teilweise blieben sie verschollen und von den Fachleuten lange unbeachtet. Erst in den letzten Jahren, als immer mehr neue Erkenntnisse über die Arbeit des Naturforschers ans Tageslicht kommen, wird der ganze Umfang seines Lebenswerks sichtbar. Die Kreibitzer Bürger errichteten ihrem berühmten Sohn an seinem am Marktplatz stehendem Geburtshaus 1885 eine schlichte Gedenktafel.